15.5.2012, 20:30
Fabrik im Gängeviertel

Michel Doneda & Nils Ostendorf Duo

Michel Doneda (F): Sopran- und Sopraninosaxophon
Nils Ostendorf: Trompete

und im Quartett mit

John Hughes – doubelbass
Gunnar Lettow – prepared bass, electronics

Michel Doneda und Nils Ostendorf sind sich im Rahmen des Moers Festivals im Mai 2008 begegnet und haben dort bei ihrem ersten Aufeinandertreffen auf einer Konzertbühne eine enge musikalische Verbundenheit verspürt. Das unmittelbare Spiel mit der Physikalität eines Blasinstruments als Generator von Geräuschen und Tönen, der farbenreiche Einsatz von Luftgeräuschen, Obertönen, perkussiven Anblastechniken oder Zirkularatmung, die Gratwanderung zwischen unhörbarem und unspielbarem lassen die beiden Instrumente zu einem organischen Klang verschmelzen, der pulsiert, sich zu einem polyphonen Geflecht aufbaut, im nächsten Moment in einer Schwebung erstarrt um dann in ein energiegeladenes Crescendo zu münden.
Der intuitive Umgang mit Dichte und Dynamik kombiniert mit dem bewußten Einsatz von Stille und Dauer resultieren in einer lebhaften, erfrischenden Musik, die den Zuhörer im erweiterten Sinne “berauschen” wird.

Michel Doneda, 1954 im Südwesten Frankreichs geboren, ist einer der profiliertesten improvisierenden Musiker Frankreichs und hat auf seinem Instrument, dem Sopransaxophon eine einzigartige musikalische Sprache entwickelt. 1978 Gründung des Saxophontrios “Hic et Nunc”,zur gleichen Zeit Gründung des “IREA” (institut de recherches et d’échanges artistiques) in Kollaboration mit Tänzern, Dichtern, Schauspielern und Musikern.
In den 80er Jahren an zahlreichen Imrovisationsprojekten beteiligt, die Entwicklung seines Saxophonspiels wird dabei maßgeblich von den Begegnungen mit improvisierenden Künstlern aller Bereiche geprägt.Er trifft unter anderem auf Fred Van Hove, Phil Wachsmann, Max Eastley, John Zorn, Eliott Sharp und Elvin Jones.
1985 nimmt er seinen ersten Tonträger “Terra” auf und trifft in diesem Zeitraum auf Musiker und Künstler wie Barre Philipps, Benat Achiary, Ninh Lê Quan, Martine Altenburger, Ly Thanh Tien, Michel Mathieu, Michel Raji, Daunik Lazro, Serge Pey und Ana Ban die ihn bis heute auf seiner musikalischen Laufbahn begleiten. Seit den 90er Jahren umfangreiche Konzerttourneen u.a. mit Keith Rowe, Tetsu Saitoh, Kazue Sawai, Gunter Muller, Fabrice Charles, Gérard Fabbiani, Bhob Rainey und den Tänzern Masaki Iwana, Valérie Metivier und Yukiko Nakamura, Einladungen zu Begegnungen mit improvisierenden Künstlern in Europa und aus aller Welt, Konzertreisen nach Japan, Afrika, Russland, Südamerika, USA und Kanada.
Michel Doneda hat in seiner bisherigen Laufbahn über 50 Alben auf europäischen, japanischen und amerikanischen Labels veröffentlicht.

Nils Ostendorf, 1977 in Hamburg geboren. Studium der Jazztrompete an der Folkwanghochschule in Essen und am Rotterdams Conservatorium, ergänzt durch Aufenthalte in New York und am Banff Centre for the Arts. Auszeichnung mit dem Folkwangpreis im Jahr 2000 und Empfänger von Stipendien des Kultusministeriums NRW und des DAAD.
Konzerte und Tourneen in ganz Europa, Kanada und den USA, u.a. mit Ernst Reijseger, Benoit Delbecq, Maja Ratkje, Stale Storlokken,Anthony Pateras, Kim Myhr, Clare Cooper, Philip Zoubek, Axel Dörner und Magda Mayas. Auftritte u.a. bei November Music, Moers Festival, Montreal Off Festival, Fri Resonans Festival und Radio France. Zur Zeit Konzerte mit dem internationalen Quartett “The Silencers” und dem Trio “Trigger” mit Matthias Müller und Chris Heenan. Neben seinen Aktivitäten als improvisierender Musiker ist Nils Ostendorf regelmäßig Komponist und Musiker für Tanz und Theaterproduktionen in Deutschland und Frankreich, zuletzt regelmässig mit Regisseur Thomas Ostermeier an den Münchner Kammerspielen und an der Schaubühne Berlin.

Presse:

Mit Doneda und Ostendorf ins Reich der virtuosen Stille

(…)Doneda und Ostendorf zeigten eine Virtuosität, die sich überwiegend im unteren Dynamikbereich abspielte – eine Reise in die Stille durchaus meditativen Charakters.

So waren weite Strecken des freien Improvisierens langatmig, in dem Sinn, dass die beiden Bläser langen Atem zeigten. Ausgedehnte Liegetöne vereinigten sich mit mannigfaltigen Luftgeräuschen.

Nicht alle Tage hört man eine derart breite Palette von Farben zwischen Zischen, Krächzen, Röcheln und Pfeifen.
Oft war kaum zu erkennen, welche Instrumente hier überhaupt im Einsatz waren – reiner losgelöster Klang. Und selbst wenn die Finger flink über Ventile und Klappen tanzten, so drangen in dieser fragilen Schattenwelt meist nur angedeutete Töne aus den Trichtern.

Saarbrücker Zeitung vom 9.4.2009

John Hughes studierte Musik am Montgomery Community College in Rockville, Maryland. Er lebt seit 1998 in Hamburg. Er spielt mit der Gruppe Rocket No.9 Kompositionen von Sun Ra und im Trio Hughes / Scherzberg / Wiese elektro-akustische Improvisationen. Eine langjährige Zusammenarbeit besteht mit Lars Scherzberg und Jeff Arnal in der Formation Tripwire, sowie mit dem italienischen Pianisten Alberto Braida im Duo Mobile.
Veröffentlichungen bei schraum, Oaksmus, Generate Records, creative sources, broken research, blue pearls music.

Gunnar Lettow begann seine musikalische Laufbahn als Rockmusiker in Kiel. In der Kieler Avantgarde-Rock Gruppe Nice Noise begann er die Erforschung der klanglichen Möglichkeiten des E-Basses. Immer mehr wird der E-Bass präpariert und der Klang elektronisch bearbeitet, um neue Klangwelten zu schaffen. Er bestreitet das Duo “phase~in” mit Sylvia Necker, ist Mitlgied des Klammer-Lettow-Scherzberg Trios und spielt regelmäßig in ad-hoc-Besetzungen (u.a. mit Korhan Erel, Ernesto Rodrigues, Hermann Müntzing, Carl-Ludwig Hübsch, Nicolas Wiese).

[mit Unterstützung des VAMH]